Sound-Interface

Bei der Thematik dieses Buches ist es nur selbstverständlich, nicht auf alle Aspekte im Detail eingehen zu können. Dennoch soll hier das Sound-Interface als Teil des Brandings, der Markenprägung, zumindest erwähnt werden. Corporate Sound soll der Marke einen Klang und eine unverwechselbare und widererkennbare Identität verleihen. Dies geht so weit, dass selbst ein Keks beim Zubeißen ein bestimmtes, berechenbares Knuspergeräusch haben soll. Dass ein Fahrzeug, insbesondere ein Sportwagen, bestimmte Klänge von sich geben soll, ist ja hinlänglich bekannt. Schalter geben Klickgeräusche von sich, um die beabsichtigte Funktion zu bestätigen, was als absolute Selbstverständlichkeit erwartet wird. All diese Geräusche werden zu Sound-Interfaces, sobald mit ihnen eine Bedeutung verbunden ist oder eine unverwechselbare Zuordnung möglich wird.
Sonifikation: »A mapping of numerically represented relations in some domaine under study to relations in an acoustic domain for the purpose of interpreting, understanding or communicating relations in the domain under study.« (Scaletti, C. 1994: Sound Synthesis Algorithms for Auditory Data Representations.)
Zusätzlich zu diesem Bereich ist der Sound aber über eine Informationsvermittlung hinaus auch als mögliche Komponente der Steuerung zu verstehen. Töne, Klänge und Geräusche spielen bereits eine wichtige Rolle bei der Orientierung. Wir lassen uns von ihnen wecken, warnen oder in gute Laune versetzen. Eines der bekanntesten Anwendungen der Sonifikation ist wohl das Geiger-Müller-Zählrohr, auch Geigerzähler genannt, mit dem die Intensität radioaktiver Strahlen gemessen und deren Menge per Häufigkeit von Knackgeräuschen übermittelt wird. Von medizinischen Geräten her kennt man zudem die akustischen Bestätigungen der wesentlichen Vitalfunktionen, die sowohl grafisch als auch auditiv dargestellt werden. Der Puls wird durch einen der Pulsfrequenz entsprechenden Sinuston dargestellt und die Sauerstoffkonzentration im Blut durch die Tonhöhe wiedergegeben. Unregelmäßigkeiten können so bereits am Ton erkannt werden, ohne dass sich der behandelnde Arzt auf das Darstellungsgerät konzentrieren müsste.
Auch bei weniger spektakulären Situationen spielt das Auditive eine entscheidende Rolle. Die Geräusche einer Festplatte oder die Klänge mancher Software und Betriebssysteme signalisieren dem Anwender Zustände oder Fehler. Bei gezieltem Einsatz der Sonifikation bei Software, z. B. zur Signalisierung von Zuständen bzw. Fehlern, wird der erklingende Ton, Klang oder das Geräusch in Anlehnung an das Wort Icon auch als Earcon bezeichnet. Zur Unterscheidung solcher Klänge, die erst erlernt werden müssen, gibt es noch die Auditory Icons, die nicht abstrakt sind, sondern aus natürlichen bzw. alltäglichen Geräuschen bestehen. W. Gaver experimentierte mit Auditory Icons, indem er z. B. das Greifen einer Datei mit der Computer-Maus mit einem hölzernen Sound belegte, wobei die Tonhöhe die Größe der Datei wiedergab. Der Kopiervorgang wurde durch das Eingießen von Flüssigkeit in ein Gefäß dargestellt, wobei das Ansteigen der Klanghöhe das allmähliche Füllen des Gefäßes nachvollziehbar machte (Gaver, W. W.: Auditory Icons: Using sound in computer interfaces, 1986. In: Kramer, G. (Hrsg.): Auditory Display: Sonification, Audification and Auditory Interfaces, SFI Studies in the Sciences of Complexity, Proceedings. Volume XVIII. Reading MA: Addison-Wesley Publishing Company, 1994.).
Die Gestaltgesetze für die visuelle Wahrnehmung können im Wesentlichen auch auf die akustische Wahrnehmung übertragen werden (siehe Artikel ›Wahrnehmung‹). Diesbezüglich ist der Artikel ›Perceptual Principles in Sound Grouping‹ von Sheila M. Williams zu empfehlen (Williams, Sheila M.: Perceptual Principles in Sound Grouping, 1992. In: Ebd.) Geräusche können, je nach Situation, wichtige Botschaften transportieren. Je nach Erfahrung können Geräusche einem Fahrer während der Fahrt mit einem PKW z. B. wichtige Informationen über den Zustand des Motors geben. Geräuschisolierte Fahrzeuge sichern zwar angenehme Ruhe und somit einen hohen Komfort, können in diesem Zusammenhang aber auch wichtige Informationen verbergen, die dann wieder mit optischen Interfaces dargestellt werden müssen. Das Thema des Soundinterface ist vielfältig und es würde sich lohnen, dieser Thematik ein eigenes Buch zu widmen.
Dass die Nutzung des Sounds als Interface eine nicht ganz unbeachtete Variante darstellt, zeigt der Umstand, dass es seit 1992 eine Konferenz für Sonifikationsexperten gibt, die ICAD, International Community for Auditory Display (http://icad.org).
Sonifikationsexperten am Lehrstuhl für Neuroinformatik der Universität Bielefeld versuchen z. B. herauszufinden, ob man die Bewegungen des Geldes an den Börsenmärkten akustisch nachvollziehbar machen könnte. Grundsätzlich untersuchen sie die Möglichkeiten, Sound als Interface nutzbar zu machen.
Bei seiner Diplomarbeit setzte z. B. der Neuroinformatikers Timo Thomas am Lehrstuhl von Professor Helge Ritter in Bielefeld Börsendaten in Töne um: ›Da klingt ein Kurssturz wie ein Erdrutsch, und im leisen Gemurmel der kleinen Transaktionen macht sich ein großer Deal durch einen lauten Ton bemerkbar.‹ Dies ist nur ein Beispiel, es stammt aus dem Jahr 2000.
Im medizinischen Bereich ist es bereits üblich, dass bestimmte Messergebnisse bzw. das Auftreten bestimmter Stoffe und Ereignisse, die sich in einem definierten Messbereich ergeben, mit jeweils festgelegten Sounds hörbar gemacht werden, ähnlich wie beim Geigerzähler. Der Umgang mit akustischen Display-Methoden muss allerdings erst einmal gelernt und trainiert werden.