Auswahl- und Interaktionsmöglichkeiten

Das Menü der Internetseite ›www.designismakingsense.de‹ bietet z. B. lediglich die Möglichkeit, Kapitel auszuwählen, so wie die Vergrößerung der Bilder durch Anklicken ausgelöst werden kann und damit auch nur das Auslösen einer Funktion, aber keine Interaktion darstellt. Dasselbe gilt für das Anklicken des Wortes ›mehr‹ unterhalb der kurzen Themeneinführungen, um die Fortsetzung des Textes zu erhalten. Von Interaktion kann erst dann die Rede sein, wenn nicht nur eine Auswahl getroffen wird, sondern auch Reaktionen ausgelöst werden können, die zudem nur bedingt vorhersehbar sind. Dies ist am besten mit einem Dialog möglich. Ein direktes Gespräch ist vom Ausgang her nie genau berechenbar und bietet schließlich zusätzlich zur verbalen noch die Kommunikation über Gestik und Mimik. In diesem Sinne ist die interaktivste Dialogform, die sich mittels Screendesign darstellen oder gar beeinflussen ließe, nur durch Kommunikationsformen wie z. B. per Email oder durch Foren und Weblogs möglich, oder eben durch eine Kombination von Softwareinteraktion und Kommunikation in der realen Welt. Letzteres gelang der checkpointmedia Multimediaproduktionen AG mit der Mayday Bar im Red Bull Hangar-7 in Salzburg. Die gesamte Oberfläche der 270° Bartheke besteht aus einer Rückprojektion, die dem Besucher den Blick aus der Vogelperspektive auf eine durchgängige Fantasielandschaft eröffnet, über der die Flugzeuge der Flying Bulls Flotte von Red Bull ihre Kreise ziehen. Der Betrachter kann sich sowohl mit dieser virtuellen Umwelt interaktiv auseinandersetzen, als auch seine Bestellungen über ein Interface aufgeben. Zudem wird den Anwendern eine Kombination aus virtueller und realer Interaktion ermöglicht, indem den Flugzeugen Botschaften angehängt werden können, um eine reale Kommunikation mit anderen Besuchern z. B. auch am anderen Ende der Bartheke in Gang zu setzen.
Es gibt zahlreiche interaktive Produkte, bei denen es durchaus wünschenswert wäre, eine ähnliche kommunikative Interaktionsqualität zu erreichen. Ein geeignetes Screendesign kann dazu beitragen. Über die Unterschiede von Auswahl und Interaktion, deren Einsatzmöglichkeiten und deren jeweiligen Vor- und Nachteilen siehe Kapitel ›Interactiondesign‹.

Bartheke des Red Bull Hangar-7 in Salzburg (checkpointmedia Multimediaproduktionen AG, www.checkpointmedia.com. Red Bull Hangar-7 GmbH & Co KG, www.hangar-7.com. Foto: Red Bull).

Bartheke des Red Bull Hangar-7 in Salzburg (checkpointmedia Multimediaproduktionen AG,
www.checkpointmedia.com. Red Bull Hangar-7 GmbH & Co KG, www.hangar-7.com. Foto:
Red Bull).

Auf der Tischfläche der Bartheke des Red Bull Hangar-7 in Salzburg wird über eine Rückprojektion eine virtuelle Welt dargestellt, in der Flugzeuge fliegen bzw. Kellner auftreten, die mit den Gegenständen auf der Theke bzw. auf die Interventionen der Barbesucher hin interagieren. Beim Antippen reagieren die virtuellen Kellner auf individuelle Weise mit einer Animation. Die Red Bull Dose auf der Baroberfläche ›verleiht den Figuren Flügel‹, sie umkreisen diese einmal auf jeweils eigentümliche Art, um dann ihren Weg fortzusetzen. Einige der virtuellen Kellnerfiguren verstecken sich unter den realen Aschenbechern auf der Bartheke und rauchen, wobei animierter Rauch unter dem Aschenbecher hervorquillt und die Bargäste zum Nachschauen animiert. Auf Zigarettenschachteln bzw. Gegenständen, die der Form nach mobilen Telefonen gleichen und die die Barbesucher auf der Bartheke ablegen, reagieren die virtuellen Kellner, indem sie dort anstoßen und dabei einen elektrischen Schlag bekommen. Alle Figuren verlassen diese virtuelle Welt über Wege, die im Hintergrund oder an den vorderen Modulgrenzen enden, und kommen über diesen Weg auch wieder zurück, wodurch die ›Bevölkerung‹ nicht konstant und die Verteilung nicht vorhersehbar ist.

Die virtuellen Flugzeuge interagieren mit der realen Red Bull Dose. Red Bull Hangar-7, © by checkpointmedia AG.

Die virtuellen Flugzeuge interagieren mit der realen Red Bull Dose. Red Bull Hangar-7, © by
checkpointmedia AG.

Die grafische Darstellung im Comic-Stil lädt die Besucher ein, selbst aktiv zu werden. Die virtuellen Flugzeuge reagieren auf Berührung und interagieren auf unterschiedliche Weise mit den auf der Bar abgestellten Objekten. So haben etwa die Red Bull-Dose, Servietten, gefüllte Gläser oder Aschenbecher, die den zufälligen Flugbahnen in den Weg gestellt werden, überraschende Ausweichmanöver der Flieger zur Folge. Die schematische Darstellung der Bartheke macht auf Grund der Öffnung im Kreis sehr deutlich, wo man sich selst befindet und in welchem Segment sich die anderen Besucher an der Bar befinden. So kann man sich zielsicher gegenseitig Botschaften zusenden.

Mayday Bar – ›Waiters City‹.

Mayday Bar – ›Waiters City‹.

Nachrichtenversand mit dem Messenger.

Nachrichtenversand mit dem Messenger.

Nachrichtenversand mit dem Messenger.

Forum von www.nachdemfilm.de

Forum von www.nachdemfilm.de

Auf dieser Internetseite werden verschiedene Arten von Auswahlmöglichkeiten geboten, und es wird deutlich, dass diese Internetseite damit ihrem Zweck vollkommen gerecht wird. Das Streben nach komplexen Interaktionsformen an Stelle von Auswahlangeboten geht eben bisweilen weit über das Notwendige hinaus (www.formundzweck.com).

Auf dieser Internetseite werden verschiedene Arten von Auswahlmöglichkeiten
geboten, und es wird deutlich, dass diese Internetseite damit ihrem Zweck
vollkommen gerecht wird. Das Streben nach komplexen Interaktionsformen an
Stelle von Auswahlangeboten geht eben bisweilen weit über das Notwendige
hinaus (www.formundzweck.com).

Forum von www.anticipation.info

Forum von www.anticipation.info

Dass Screendesign nicht nur Einfluss auf eine bloße ästhetische Gestaltung hat, sondern mit seinen gestalterischen und stilistischen Mitteln auch Einfluss auf das Verständnis einer Funktion und ihrer Absicht haben kann, zeigen die folgenden Beispiele. Der Vergleich des Forums der Internetseite www.nachdemfilm.de mit der von www.anticipation.info macht dies besonders deutlich. Während bei www.anticipation.info die Menge der Leser eines Eintrages per Zahl angegeben wird, kann man bei www.nachdemfilm.de die Menge der Beiträge anhand der Icons erkennen (siehe wegen der Bedeutung von Icons auch unter ›Icon‹ im Kapitel ‹Orientierung gestalten, planen und strukturieren‹).
Die ›Soapmachine‹ würde gemeinhin unter der Kategorie ›Interaktiver Film‹ eingeordnet werden, obwohl der Anwender hier lediglich vorgefertigte Filmstücke, deren Anzahl, Wiederholung und Reihenfolge auswählen und anschließend den Film linear abspielen lassen kann. Obwohl nur eine Auswahl aber keine Interaktion möglich ist, macht es Spaß, mit der Soapmachine zu spielen. Das Screen- und Interfacedesign tragen dazu bei, dass die Möglichkeiten, die man mit der Soapmachine hat, verstanden und sofort angewandt werden können. Bereits die Metapher ›Fernseher‹ signalisiert dem Anwender, dass er hier eher passiver Konsument als aktiver Nutzer sein kann. Obwohl nur eine Auswahl möglich ist, wird sie als Interaktion empfunden, weil der Anwender sich involviert fühlt.

›Soapmachine‹, www.nachdemfilm.de.

›Soapmachine‹, www.nachdemfilm.de.